In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Türkei nur begrenzt großvolumige private Investitionen im Industriesektor verzeichnet. Dies führte zu einer anhaltenden Lücke in der inländischen Industriekapazität. Polypropylen ist hierfür ein typisches Beispiel: Die Türkei importiert nahezu ihren gesamten Bedarf und verzeichnet allein in diesem Bereich ein jährliches Handelsdefizit von rund 3 Mrd. USD. Zusammen mit einem Defizit von 8 Mrd. USD bei bestimmten Kunststoffrohstoffen und einem nicht-energetischen Handelsdefizit von mehr als 30 Mrd. USD ergibt sich ein erhebliches strukturelles Ungleichgewicht.
Die Ceyhan-Polypropylenanlage, zusammen mit ihrem integrierten Flüssigmassengut-Terminal, wurde entwickelt, um diese Lücken zu schließen. Das von Rönesans Holding entwickelte Projekt spiegelt einen global erkennbaren Trend wider: die Stärkung lokaler Produktion und Versorgungssicherheit, während sich internationale Wirtschaftsstrukturen verändern. Die Bedeutung des Projekts liegt nicht nur in der Reduzierung der Importabhängigkeit, sondern auch in seiner Größe, seinem wirtschaftlichen Einfluss und seiner Fähigkeit, lokale Industrien sowie hochwertige Wertschöpfungssektoren zu unterstützen — eine klare Priorität des türkischen Industrieministeriums.
„In den vergangenen Jahren haben wir alle erlebt, wie schnell die Globalisierung gestört werden kann und wie entscheidend widerstandsfähige Lieferketten für nationale Volkswirtschaften geworden sind. Unsere Investition in die Ceyhan-Polypropylenanlage und das integrierte Terminal ist eine Reaktion auf diese Realität“, sagt Erman Ilıcak, Gründer und Ehrenpräsident von Rönesans.
Ceyhans logistischer Vorteil
Die Nähe zu wichtigen nachgelagerten Produktionszentren und die vorhandene Infrastruktur der DAPEK-Industriezone maximieren die logistischen Vorteile sowohl für den Inlandsbedarf als auch für den Export — dank der vor Ort verfügbaren Einrichtungen.Mit dem Fokus auf nachhaltiges, langfristiges Wachstum statt kurzfristiger Expansion hat das Projektteam wichtige Schritte unternommen, um die Abhängigkeit der Türkei von kurzfristigen globalen Preisschwankungen und Lieferkettenstörungen zu verringern und gleichzeitig das Wachstum des verarbeitenden Sektors zu unterstützen. Langfristig wird erwartet, dass das Projekt eine breitere industrielle Entwicklung innerhalb der organisierten Industriezone von DAPEK katalysiert.
Internationale Partnerschaften und solide Finanzierung
Die Umsetzung einer Anlage und eines Terminals dieser Größenordnung erforderte erhebliche finanzielle Ressourcen und technisches Know-how. Das Projektteam sicherte sich erfolgreich die Finanzierung durch ein Konsortium internationaler Kreditgeber in Höhe von 1,3 Mrd. USD, bei einer Gesamtinvestition von 2 Mrd. USD. Diese Finanzierungsstruktur unterstreicht das internationale Vertrauen in das Projekt sowie die Bedeutung starker Partnerschaften mit globalen Technologieanbietern und Ingenieurunternehmen.Durch ein kooperatives Investitionsmodell wurden moderne Produktionstechnologien und strenge Sicherheitsprotokolle integriert, sodass die Anlage höchsten internationalen Standards entspricht und zugleich flexibel auf ein sich wandelndes globales Umfeld reagieren kann. Ilıcak betont: „Die internationalen Partnerschaften und die Finanzierung dieses Projekts stellen ein bedeutendes industrielles Entwicklungsmodell dar, das globale Zusammenarbeit mit lokaler Expertise vereint.“
Nachhaltigkeit und Innovation im Zentrum
Industrieentwicklung darf nicht zulasten der Umwelt gehen; moderne Anlagen müssen ihren CO₂-Fußabdruck so weit wie möglich reduzieren. Die Technologie der Ceyhan-Anlage priorisiert kohlenstoffarme Produktion und Ressourceneffizienz, indem Wasserstoff, der als Nebenprodukt entsteht, genutzt wird, um den Verbrauch fossiler Energieträger vollständig zu eliminieren. Die Anlage ist zudem verpflichtet, vollständig auf erneuerbaren Strom umzusteigen — ein weiterer Beleg für ihre langfristige ökologische Verantwortung. Unabhängige Experten schätzen, dass die Anlage nur ein Drittel der CO₂-Emissionen pro Tonne Polypropylen erzeugt wie ihr nächstgelegener europäischer Wettbewerber.Diese Innovationen sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern stärken auch die Wettbewerbsfähigkeit, da globale Märkte zunehmend kohlenstoffarme und nachhaltige Produkte bevorzugen.
Katalysator für lokales und nationales Wachstum
Das Projekt wird während der Bauphase wie auch im Dauerbetrieb zahlreiche Arbeitsplätze schaffen, fortgeschrittene industrielle Fähigkeiten fördern und die lokale Wirtschaft stärken — und damit die industrielle Selbstversorgung und Resilienz der Türkei unterstützen. Nach der Inbetriebnahme wird erwartet, dass das Projekt jährlich 300 Mio. USD zum Abbau des Leistungsbilanzdefizits beiträgt und die Polypropylenimporte um 472.500 Tonnen pro Jahr reduziert — rund 17 % des nationalen Verbrauchs.Der Erfolg des Projekts basiert auf der effektiven Einbindung eines globalen Netzwerks an Partnern, reibungslosem Technologietransfer und internationalen Best Practices, kombiniert mit der Entwicklung qualifizierter lokaler Talente.
Ein Modell für internationale Zusammenarbeit
Die Ceyhan-Polypropylenanlage ist mehr als eine neue Produktionsstätte; sie ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie strategische Investitionen, partnerschaftliche Zusammenarbeit und Innovation die industrielle Landschaft eines Landes transformieren können. Da Lieferketten sich regionalisieren und Nachhaltigkeit zu einer zentralen wirtschaftlichen Priorität geworden ist, bietet das Projekt wertvolle Einblicke darin, wie nachhaltiges Wachstum in einem sich wandelnden globalen Umfeld erreicht werden kann.Mit koordinierter staatlicher Unterstützung, innovativen Finanzierungsmechanismen und gezielten Anreizen zur Importsubstitution und Exportförderung kann die Türkei den Erfolg des Ceyhan-Projekts in weiteren strategischen Sektoren wiederholen. Das Projekt zeigt, wie Schwellenländer hochwertige internationale Investitionen anziehen können — durch klare Marktnachfrage, zuverlässige Partnerschaften und Innovationsbereitschaft. In einer Zeit sich verändernder globaler Lieferketten und zunehmenden Protektionismus bietet dieses kollaborative Modell einen nachhaltigen und überzeugenden Ansatz.
Zum Abschluss sagt Ilıcak:
„Die Welt passt sich weiterhin neuen Mustern von Handel und Produktion an. Wir glauben, dass die Verbindung internationaler Partnerschaften, fortschrittlicher Technologie, ökologischer Verantwortung und starker lokaler Expertise der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum sein wird — nicht nur für die Türkei, sondern für die gesamte Region.“Source: Forbes